Spielgefühle
Bis zu 8000 Teile, Filze, Leime, Leder, verschiedene Holzarten und Metalle, Bleie zur Gewichtung der Klaviatur – eine Klaviermechanik ist ein Wunderwerk, welches in der Regel, wenn aus gutem Hause, sagenhaft robust und lange präzise seinen Dienst verrichtet. Es gibt über 100 Jahre alte Instrumente mit substanziell völlig intakter Mechanik!
Dennoch kommt es mit der Zeit zu Verschleiß, Abrieb, Materialverdichtungen, Rauhigkeit an Oberflächen und Spiel an beweglichen Teilen, was die Spielart verändert und mitunter unpräzise und unangenehm werden lässt. Holz und Filz reagieren auf Klimaschwankungen, mit der Zeit bewegen sich verschiedene Mechanikglieder aus der für eine gute Spielart notwendigen genauen Ausrichtung, unnötige Reibung entsteht.
In der Regel ist es möglich, durch regulierende Arbeiten an der Mechanik eine präzise Spielart zu erzielen, wirklich defekte Mechaniken treffe ich selten an.
Für jedes Instrument gibt es einen optimalen „Arbeitspunkt“, bei diesem wird die beste Spielbarkeit ereicht und in die akustische Anlage wird die Menge an Energie hineingegeben, die „verzerrungsfrei“ reproduzierbar ist.
Dazu ist eine genaue Kenntnis der Zusammenhänge und der Auswirkungen der jeweiligen Einstellungen auf das Spielgefühl notwendig. Verbesserungen an dem einen Punkt ergeben oft Verschlechterungen an dem anderen, so dass der beste Kompromiss zu suchen ist.
Gerade im Konzertdienst ist es nötig, schnell und effektiv auf Wünsche einzugehen, die das Spielgefühl betreffen. Dies geht nicht ohne Nachdenken und viel Praxis, für langwierige Experimente ist keine Zeit.
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